Arbeiten und Erfahrungen mit dem Triumph TR7. Bericht von Rainer D.

Triumph TR7 Coupe EU Fahrzeug, Baujahr 1979, mit Faltschiebedach und seltenen 195er Minilite Felgen. Erstzulassung in Bayern. Das Fahrzeug hatte nur einen Vorbesitzer und ist unverbastelt.

Technische Daten: Vierzylinder-Reihenmotor von Triumph mit 2.000 ccm. Basis war der Mittelklassemotor des Triumph Dolomite 1850HL aus dem Jahr 1975. 5 Gang Cruisergetriebe, 106PS. SU HS6 mechanischer Doppelvergaser. Vorgänger ist der sehr bekannte Triumph TR6 Roadster.

 

Nun zu dem Bericht von Rainer D. mit Unterstützung von Jörg S.

Im Jahre 2013 befasste ich mich damit, mir zu meinem Motorrad Oldtimer, auch ein überdachtes Oldtimergefährt zu kaufen. Meine Ehefrau sollte nicht immer hinten drauf mitreisen. Auf Ausfahrten oder zu Oldtimertreffen, war ich mit meiner BMW R25 immer witterungsabhängig und immer klatschnass, wenn es mal regnete (Spitze 70-80km/h!). Regenscheu ist die R25 nun nicht und muss auch nicht ständig geputzt werden, Waschen und mit Atlanticöl einreiben reicht völlig. Große Ausfahrten macht man mit einem über 60 Jahre alten 1 Zylindermotorrad aber auch nicht mehr so gern, denn es bringt nicht viel Vergnügen ständig von Rasern nicht wahrgenommen und überholt zu werden, gerade nicht bei Regen. Also ein 4 rädriges Fahrzeug musste her.

Nun, nach allen möglichen, in Betracht kommenden Fahrzeugen, war der TR7 dann Liebe auf den zweiten Blick. Warum das so ist, kann ich nicht  wirklich sagen, vermutlich weil so ein TR7 mich an meinen damaligen marsroten VW Scirocco Typ 1 erinnerte. Der TR7 überholte mich damals immer schnell, übrigens auch den Ford Capri (wenn es nicht ein 2.8Liter war). Von weitem schon erkennbar durch das fiese Auf- und Zuklappen der Scheinwerfer (Lichthupe) und der stark blendenden Hella Zusatzscheinwerfer,  man machte schnell, aber ein wenig widerwillig, Platz, auch als Fahrer im VW Scirocco.  Es war halt die Zeit der Klappaugen-Fahrzeuge und man wusste, es ist etwas sehr schnelles zu dir unterwegs (ein Porsche, ein Opel GT oder was lautes aus den USA oder England), bloß rechts ran. Also der Grund für einen TR7 wäre dann ein rein nostalgisches Verhalten von mir gewesen.

Oder ist es doch dieses Urbane, sehr direkt am Asphalt fahren und genießen, ähnlich wie bei einem Motorrad. Ich denke, dass trifft bei mir dann schon eher zu. Vorweg zu nehmen: Über Umwege kam ich, aber auch mehr zufällig, zu der abgebildeten gelben und momentan sehr treuen TR7, nachdem ich mit zwei roten Vorgängerfahrzeugen TR7 sehr viel Erfahrung sammeln, aber wenig Glück hatte. Hier kann die Geschichte eigentlich schon enden, es ist alles erzählt.

 

Mehr über diesen gelben TR7 erzähle ich mit Jörg S. gerne mal auf Treffen oder Clubabenden.     

Hier seht ihr mal ein wenig mehr über den TR7

Wer jedoch weiterlesen mag, dem erzähle ich hier die Story etwas ausführlicher

Meinen ersten TR7, ein US Cabrio, 106PS, 2ltr Motor, 5-Gang… importiert aus Nordamerika nach Wittenberg, kaufte ich dann 2014 bei einer jungen Werkstatt in Ostdeutschland. Zu diesem Zeitpunkt war der TR7 nicht zugelassen und wurde von Wittenberg bis Leipzig auf Shows ausgestellt, stand danach dann in Schaufenstern. Zuletzt in Dessau. Das Fahrzeug hatte eine Bild Expertise, wurde im Jahre 2007 komplett entrostet und von British Racing Green mit gelbem Ralleystreifen, auf Ferrarirot lackiert. Zusammen mit den beigen Ledersitzen, entsprach das Fahrzeug in etwa meinen Vorstellungen. Die Farbe störte mich zunächst nicht, ich wusste noch nicht soviel von Triumph. Es sei hier ruhig einmal direkt gesagt, diese Farbe wurde damals nie vergeben, ist heute aber beliebt und gehört nicht auf das Blech eines englischen Roadsters. Mit der hingabevollen Hilfe von Jörg S., Beschaffung von Ersatzteilen in Deutschland und England, kam dann der Tag, für dieses Fahrzeug ein Classic Data Gutachten zu bekommen. Nach Erhalt der H Zulassung und den ersten kleinen Ausfahrten, kam jedoch ein recht umfangreicher und ernüchternder Instandhaltungsrückstau zum Vorschein. Dieser betraf Elektrik, Vergaser, Zündverteilung, Steuerkette, Wasserkühlung, Heizung, Lenkung. Quasi umfassend das ganze Fahrzeug von oben bis unten.  Fast jede Ausfahrt zu umliegenden kleinen Treffen, endete mit einem Anruf beim ADAC und dem Abschleppdienst. Nachdem nach jeder Reparatur und Verbesserung alles gut zu Laufen schien, machte ich dann eine größere Ausfahrt. Ich plante eine kurvenreiche Strecke auf Landstrassen, dazu gehörte auch ein kurzes Stück auf der A27 von Bremerhaven nach Bremen. Das war für diesen TR immer noch zuviel. Plötzlich knallte es einmal sehr laut, das Fahrzeug fiel abrupt in der Leistung ab und ich hörte wie Metall auf Metall arbeitete, leider auf der Autobahn an einsamer Stelle. Mit letzter Motorkraft konnte ich einen richtig einsamen Parkplatz auf der Autobahn anfahren, schaltet den Motor aus und das war’s für diesen Motor und jeglicher Gedanke hier wegzukommen, erlosch. Handyfunklücke auch das noch! Schöner Mist dachte ich, bloß nie wieder TR7. Der ADAC fand mich mit meinem TR7 dann doch irgendwann, allerdings Stunden später. Der ADAC Tieflader war schon gleich gekommen, nachdem ich nur Ansätze des Problems über das Fahrzeug äußerte. Mist schon wieder eine Heimfahrt mit dem TR7 auf ADAC Tieflader hinter mir, begleitet von niederschmetternden Äußerungen des Fachexperten.   Trotz geringer Motivation gab ich noch nicht auf und konsoltierte sofort Jörg S. An dieser Stelle sei auch Dank an Reinhold C  für schnelle Hilfen mit seinem Tieflader und Matton D. ausgesprochen. Nun Jörg S. ist ein sehr guter KFZ Kenner und Experte, Hardliner mit viel Erfahrungen bei Oldtimern, die störrisch und hinterhältig, ein abnormes Verhalten haben. Er  machte mir Mut und so machten wir dann gemeinsam weiter. Es musste ein neuer Motor her. Ich beschaffte einen kompletten TR7 Coupe Baujahr 1976 aus der Nähe von Köln und in der Nähe von Bremen buddelte Jörg S. noch einen kompletten Triumph Dolomite 1850HL Motor und einen einzelnen Zylinderkopf aus, der viele Jahre unberührt in einer ehemaligen Triumph Vertragswerkstatt auf Einsatz wartete und so gut wie nie gelaufen hatte. So gerüstet mussten wir entscheiden, entweder den TR7 Coupe zerlegen und den Motor entnehmen, oder den Dolomitemotor nehmen. Da sich der TR7 Coupe, seit 1983 abgemeldet, in einer trocknen Garage befand und eine fast rostfreie Karosserie aufwies, beschlossen wir dieses Fahrzeug später auch aufzubauen.

Jörg S. und ich bauten den defekten Motor zusammen aus, nicht mal so eben und einfach bei einem TR7, aber wir schafften das. An dieser Stelle geht noch einmal der kameradschaftliche Dank an Olaf R für die Hilfe mit seiner Halle und Werkstatt mit Grube. Mit viel Mühe nahmen wir den Dolomitemotor in Augenschein, reinigten sehr genau alle Öl- und Wasserkanäle des Motors, nahmen auch hier die Wasserpumpe heraus und machten diese gangbar. Alle Schläuche und Dichtungen erneuerten wir und brachten dann endlich das vorhandene 5-Gang Getriebe mit dem neuen Motor zusammen. Eine Seltenheit dieses große 5-Gang Getriebe auf einem nicht modifizierten Dolomitemotor anzuflanschen. Übrigens Triumph Werkstätten machten dieses früher durchaus häufiger, allerdings vermutlich öfter mit dem viel kleineren TR7 4-Gang Getriebe. Der Triumph Dolomitemotor hat nur eine kleine Einbuße von ca. 130ccm gegenüber dem Triumph TR7 Originalmotor. Die erste Probefahrt mit dem neuen Dolomitemotor verlief sehr gut. In 2016 konnten wir mit dem Fahrzeug unsere große Tagesausfahrt nach Hamburg unternehmen und auch mehrere andere. Soviel, so gut. Alles schien jetzt stimmig zu seine und ich wollte noch das Cabriodach auswechseln. Plötzlich streikte die Gasannahme und das Startverhalten, alles war irgendwie nicht mehr im Einklang und ich konnte wieder nicht mit dem Fahrzeug fahren. Nun wollte ich nur eins: Der TR7 muss weg, keine Lust mehr zu Endländern. Wie der Zufall es jedoch so will, ein TR7 kann sich auch mal selbst einen neuen Besitzer suchen. Ich bekam eine Mail von Mobile, es wurde der gelbe TR7 engeboten. Nun die Vorbesitzerin kannte ich vom Namen her und das Fahrzeug auch. Kurz angerufen und nach einer halben Stunde durfte ich den gelben TR7 tatsächlich kaufen. Ohne den TR7 gesehen zu haben, kaufte ich ihn, fuhr zusammen mit meiner Ehefrau mit der Bahn in das 1000km entlegende Bayern, übernahm am nächsten Tag den TR7 und wir fuhren in einem Stück die Strecke über Hof und Leipzig, Dresden.. zurück nach Hause, ohne jegliche Störung.